ss eine Vorfrage noch unerledigt geblieben ist, für deren Beantwortung die Erfahrung uns vorläufig auch noch keinen Anhalt gibt, ich meine die Frage, woher es kommt, dass in unendlich zahlreichen Fällen trotz reichlicher und anhaltender Bildung von Hamgries dennoch 1) L C 66. 8) 1. 0. A6S. idne SteinblldtiTig erfolg-t; Textor macht darauf aufmerksara, dass die iewobner von üsUranlcen ausserordentlich Muüg unGiies und selbst klei- m Harnsleinen leiden, grössere Blasensteine unter ihnen dennoch sehr iLen sind, dasselbe berichten Hennemann aus Mecklenburg, Civiale') 05 Dänemark u, a. Es fehlt uns also die Kenntniss des MLtiel^liedes in m chemischen oder physikalischen Vorgange zwischen der Bildung von arngnes und Blasenstcin, und alle hierüber bisher aogeslellLen Hypothe- n, deren Aufzählung an diesem Orle nicht zulässig erscheint, können Icht als befriedigend angesehen werden; nur für einen Fall ist das Dun- ti, welches über der Pathogenese schwebt, gelüftet, für das endemische orkommen von BlasensteiEi in Egyplen, wo, wie Bilharz» Hey er und ftesinger nachgewiesen haben, das Leiden in einem ofTenbar kausalen exus mit der dort vorherrschenden Distomakrankheit der Uretercn und r Blase steht, wo die Bildung von Urolithiasis demnach als ein rain tysikalischer Akt aufgefasst werden kuDO. §. 188. Von den aus der Individualität hervorgehenden Einflüssen romen hier Erblichkeit und Nationalität in Betracht. — Für die eterlragung einer erblichen Disposition zu Urolithiasis liegen eine so rosse Zahl von Einzelbeobachtungen vor, dass man dieselbe ebenso we- gy wie etwa die zu Gicht oder tlämorrhoiden, bezweifeln kann; bis zu elchem Grade dieses ätiologische Moment für das endemische Vorherr- *hen der Krankheit massgebend ist, lässt sich vorläuüg nicht festsleilen, auf eine Thalsache will ich hinweisen, die in diesem Umstände viel- ichl einen Theil ihrer Erklärung findet, ich meine die Endcmicität von lasenstein im AUenburgischen: „merkwürdig ist,** sagt Geinitz, ^dass nser Sleinterrain nicht ganz genau mit der Landesgrenze, wohl aber mit der Ausbreitung unserer Altenburgischen Bauern zusammentällt, denn ganz enau nach Osten und Westen, wo die Pumphose unserer als Sorben- iirenden eingewanderten Bauern aulhörl, schneidetauch die Steinkrankheit nit einem Schlüge ab. Vielleicht neigt die Uace zn dieser Krankheit; tfür scheint auch die häußge Verwandtschaft der Steinkranken zu spre- ihen/* Ich glaube, dass das verwandtschaftliche Verhäitniss hier wohl ehr als das nationale in Betracht kommt, in sehr hervorragender Weise »er macht sich das letzte unter der Kegerrace bemerklich, die, wie i scheint, sich einer fast vollkommenen Exemption von Blasenstein er- &ot; Clot-Bey, Pruncr, Beyer u.a. haben die Krankheit inEgypten lemals bei iNcgern gesehen, auch in Nord-Amerika ist sie bei dieser Äee äusserst selten beobachtet worden, in den eigentlichen Negerländern i Urohthiasis, wie oben ungeführt, ganz unbekannt, und zu demselben esultate isiPolack gekommen, dessen Beobachtungen sich über mehrere ccn und Nationalitäten erstrecken, und daher von besonderem Interesse nd: „Was die Hace betnlTt/* sagt derselbe '), ^,so scheinen Juden und irmenicr weniger befallen zu werden, denn es kamen mir im Ganzen ar 4 Fälle zur Untersuchung und 3 zur Operation. Neger kamen mir nie zur Behandlung, auch horte ich nur von einem In^ tvidttum, dem ein Chirurg aus dem Mastdarm den Stein tisgeschoitten haben soll. Mongolen (rein) kamen mir ebenialls ■ «joel^lA. Vn graiid noinbr« dt? chinirictuni dmttijU iiue j'iii vu h Fun«, m'ont eertUU Tfti^ 872 Hirsch, liilioriMh gvogitphiMha Mhologie. nOicht vor, jedoch 3 Rinder von gemischter mongolischer Race. Dieses „dürfte auch die Anzahl sämmtiicher Befallenen sein, da diese Bevölke- ^ungsklasse mehr mit europäischen Verhältnissen vertraut ist und im g^ Hgebenen Falle sich sicher an mich gewendet hätte." Gegen den aus den letztangeführten Daten etwa zu ziehenden Schluss, bezüglich einer Exemp- tion der mongolischen Race von Lithiasis, spricht aber das endemische | Vorherrschen der Krankheit in China. §. 189. Mit wenigen Worten ist hier noch des raumliehen und zeit- lichen Verhältnisses zwischen Crolithiasis und Gicht zu gedenken. Dass zwischen beiden Krankheiten ein verwandtschaftliches Band existiit geht schon aus dem Umstände hervor, dass in beiden ein und dasselbe pathologische Produkt gesetzt wird, resp. beiden eine gleiche patholo- gische Diathese zu Grunde liegt; nicht weniger bestimmt ist dieser Zusam- menhang aber auch in nosologischer Beziehung ausgedrücht, und zwar in einer so ausgesprochenen Weise, dass bereits die Aerzte des Alterthums denselben nicht weniger klar, als die der neueren und neuesten Zeit er- kannt haben. So wenig wir daher, bei einer unbefangenen Prüfung der Thatsachen, einen genetischen Zusammenhang zwischen Gicht und Uroli- thiasis in Abrede stellen können, so bestimmt weiset uns andererseits, vom Standpunkt der vorliegenden Forschung, die Erfahrung darauf hin, dass in der Reihe der allgemeiner wirkenden pathogenetischen Momente zwischen beiden Krankheitsformen doch sehr wesentliche Unterschiede vor- herrschen, und zwar finden sich diese in der Art der geographischen Ver- breitung beider in einer nicht zu verkennenden, wenn auch vorläufig nicht zu erklärenden Weise, ausgesprochen; vor allem ist es eine sehr bemer- kenswerthe Thatsache, dass Gicht eine den tropischen Gegenden, speciell der östlichen Hemisphäre, fast ganz unbekannte Krankheil ist, während Blasensteine hier, wie gezeigt, in einem verhältnissmässig sehr bedeuten- den Umfange endemisch vorherrschen ; ein gleicher Gegensatz macht sich aber auch in einem Theile der subtropisch gelegenen Gegenden, so nament- lich in Persien, Arabien, Aegypten, Algier u. s. w. bemerklich, und auch in den mittlen Breiten £uropa*s, wie besonders in den grossen Städten Norddeutschlands, Englands, Frankreichs u. a., wo Blasenstein, jetzt wenig- stens, zu den selten beobachteten Krankheiten gehöret, findet Gicht, theils acquirirt, theils erblich, noch immer eine nicht unbeträchtliche Zahl von Opfern. Andererseits begegnen wir Blasenstein in einzelnen Gegenden und unter Verhältnissen endemisch, wo Gicht eine jedenfalls sehr unter- geordnete Rolle im Gebiete der vorherrschenden Krankheiten spielt; ich erinnere beispielsweise an Schwaben, Altenburg und Oberitalien, schliess- lich aber will ich auf die von Thijsen hervorgehobene Thatsache auf- merksam machen, dass, während sich, wie bemerkt, in dem Vorkonunen von Blasenstein in den Niederlanden innerhalb der neuesten Zeit eine auf- fallende Abnahme bemerklich gemacht, Gicht in einem nahe gleichen Ver- hältnisse dort häufiger geworden ist In Pen], erklärt, dass sich diese Krankheit nicht an eine geographische Grenze bindet, sondern überall durch sociale Verhältnisse hervorgerulen wird, so ^ilt dies keineswegs von Leucorrhoe aliein, sondern von einer frösseren lieihe, in der Sphäre der weiblichen Geschlechlsorgane vorkom- mender Rrankheitsformen. von denen Leacorrhoe ^) eben oft nur ein Synip- lom oder eine konkoojiUirende Erscheinung isl und zu denen wir neben dem chronischen Uterus* und Va^nalkalarrh, namentlich Menslrualions- anomalien (Dysmenorrhöe, Menstrualio nimia und Metror- rhagia), chronische Metritis und Uterusdislokalionen rechnen müssen. Es isl eine im Allgemeinen richtige Bemerkung, dass diese Krank- heilen in ihrer Verbreitung auf der Erdoberfläche weniger von geoffra|>hi- schenp d. h. kUmaüschen oder geologischen, Einflüssen, als vielme)»r von socialen Verhältnissen abhängig erscheinen, allein so ferne eben diese in einer gewissen Beziehung zu den erstgenannten Momenten stehen, darf man schon a priori auf gewisse Eigenlhümliehkeilen in der geographischen Verbreitung jener Krankheilsformen sehliessen, weiter aber lehrt die Er- fahrung, dass das eigentlich geographische Element, und namentlich das AUS dem Klima hervorgehende, keineswegs ohne Bedeutung für das nume- rifiche Verhallen jener Krankheilen in den einzelnen Gegenden der Erd- oberMche geblieben ist, dass dieselben, mit andern Worten, in ihrer geo- graphischen Verbreitung einen gewissen Einfluss des Klimans nicht ver- kennen iassen, der eben in dem Vorwiegen jener Krankheitsformen in den tropischen und subtropischen Gegenden in einer nicht zu verkennenden Wetee hervorlrilL f. 191. Innerhalb der gemässigten und kalten Breiten lassen sich tue üniersehiede, welche die Krankheitsfrequenz hier überhaupt zeigt, in der That lediglich auf den Einfluss socialer Verhältnisse xurückführen ; überall und zu allen Zeiten haben vorwiegend Städte den Sitz jener Lei- den des weibiichen Geschlechts gebildet, die» namenlhch unter dem Ein- t) 0««lv. m^ Woo^enichr. I84& 475. 1} K» lit til^r tenwtT«T«a]iiailD!i Ton der nicht' i|li<lflitfiTmii (itip< lÜQlai-TeiierUdieQj Form w K^iuikhait die Eed«. 874 Hiraoh, hirtoritoh geographkohn Pstliologie. flusse einer modernen Civilisation, ebenso in den vielfach verkehrte und verderblichen Sillen der höheren Geseiischafl, wie in dem mangeihaftoi, kümmerlichen und mühselig;en Leben des Proletariats, eine üppige Queue ihrer Genese gefunden haben, während sich andererseits die weibliche Be- völkerung des flachen Landes immer und überall einer gewissen Exemp- tion von denselben erfreut hat — Man hat, namentlich auf die aus deo I^liederlanden bekannt gewordenen Beobachtungen gestützt, einen Einfluss feuchten, sumpfigen Bodens speciell auf das Vorkommen von Leuconlioe und Menstruationsanomalien annehmen zu dürfen geglaubt, und es soll auch nicht in Abrede gestellt werden, dass diese Kninkheitsformen, and speciell die letztgenannten, in einem kausalen Verhältnisse zu gewissei^ eben jenen Bodenformationen eigenthümlichen Krankheiten stehen, itsf. als die Folge tief wurzelnder Malariakachexie auftreten, allein wesentliefa sind es doch auch hier die oben genannten Verhältnisse, weiche eben in andern Gegenden vorzugsweise das Vorkommen jener Krankheilen bedin- gen und deren ätiologische Bedeutung sich auch hier in dem Vorherrscheii der Krankheiten in Städten, im Gegensatze zum flachen Lande, ausspridU, eine Thatsache, die bereits den älteren Aerzten nicht entgangen ist, so er- klärt u.a. schon Forest^): „Nihilominus tamen hoc affectus (leucorrhoea) „non aetate maturas tantum, verum etiam virgines quas pallor decolorat „invadit . . . his quoque accidit quae prava vivendi ratione utuntor, iQ- „xuosa quidem, sed minime exercitata, unde et nunquam visae agrestes „mulieres id pati, sed urbanae, et inter eas, quae sedentariam vitam pe^ ^ „petuo degunt," und in gleicher Weise sprechen sich auch andere Aente aus anderen, feucht oder sumpfig gelegenen Gegenden aus, so unter ande- ren Brieude^), indem er bezüglich des Vorkommens der genannten Krankheiten in der Auvergne bemerkt: „Cette maladie est aussi rare dans „nos campagnes, qu*elle est commune dans nos villes,** so dass also auch hier Bodenverhältnisse offenbar ganz ohne wesentlichen Einfluss auf die Krankheitsfrequenz erscheinen. 192. Schon im südlichen Europa, wie namentlich in Unterita- lien 3) und in der Türkei^), macht sich eine aufTallende Frequenz der genannten Leiden des weiblichen Geschlechts in allgemeinerem Umfange bemerklich, wiewohl auch hier der Unterschied zwischen dem Stadt- und Landleben, in seinem Einflüsse auf die Krankheitsgenese, in unverkennbarer Weise hervortritt, und dasselbe gilt von Algier*), Egypten*), Syrien und andern subtropisch gelegenen Gegenden des Orients, wie auch von den in gleichen Breiten hegenden Landschaften der westlichen Hemisphäre, so namentlich von den südlichen Staaten Nordamerika^s und dem südlichen Californien; „diseases peculiar to females,'* bemerkt King^ „are far more common in Monterey (South-Califomia) than any other dass „of disorders. Of those the most usual are leucorrhaea, prolapsus uteri „and deranged menstruation ; those aflections are more numerous in pro- „portion to the population in Monterey than in any Community I have „ever known.*' Das Maximum ihrer Frequenz aber erreichen die genannten Krankheilen in den Tropen und zeigen sich gerade hier am wenigsten ab- hängig von den zuvor gerügten Einflüssen der Civilisation und des städti- 1) ObsenrAt. et curat lib. XXVUL obs. 20. SohoL Lngd. BateT. I6M. IM. 2) UiBtoire de U Soc. de M6d. V. M^m. 318. 3) VergL M am ml (in Ffliatr. Beb« l»tt November) über das Vorherrtcben Ton Leaoozrhoe, MatriUi ohron. «• a. in lUggiQ. 4) RUler 1. e. U. 3i9. 5) Deleaa in Bae. de Mtfm. de MM. mOtt. UL Uft. «) Pruner L c. 876. 7) Amer. Jomn. of mad. So. 1058. April »U Orgmu^&ttBkhdten. Le^corrlioe* — ^ n Lebens; „die gewöhnlichsten FraneozimTnerkrankheilen in helssen Ddern," sagt Bajori*), ^.sinil der weisse Fluss und die Vorfalle der bämiulter. Der weisse Fluss findet sich bei dem grosslen Theile ibspersonen, sogar im zartesten Alter ♦ . . * die Unordnung, welche ,b fast bei allen Weibspersonen in ihrer monatlichen Reinigung findet, m als die wahre Ursache des weissen Flusses angesehen werden; es in der That etwas seltenes, zu Cayenne weisse oder schwarte meo zu finden, die ihre Zeit so ordenUich habend als die Europäerin- 1, und auch bei diesen letzten ist es ausgemacht, dass, sobald sie. in Bse Lander kommen, sie in die nämliche Unordnung gerathen.** Eine 'eo letzten Punkt namentlich bestätigende MiUheilung gibt TUt^), der I dabei auf seine in Ost- und Westindien, China und Brasilien geraach- Beobachtungen beruh, und besonders das häutige Vorkommen von ODLseher Metrili